Volksfrömmigkeit
Volksfrömmigkeit bezeichnet einen regional gewachsenen Glauben oder eine Glaubenspraxis. Sie ist dabei von der Religionsgemeinschaft akzeptiert, integriert oder geduldet (Im Gegensatz zum Aberglauben), wurde jedoch nicht zentral initiiert. Volksfrömmigkeit entsteht durch den praktischen Umgang gläubiger Laien mit ihrem Glauben. Ihnen ist häufig die Tradition der intellektuellen Diskussion innerhalb des Glaubens (z.B. der Theologie) nicht oder nur in Ausschnitten bekannt. Hierbei kann auch Eigenes und Neues in der Glaubensausübung entstehen.
Die Herausbildung einer Volksfrömmigkeit kommt in allen großen Religionen vor. Regionale Einflüsse, sowie Einflüsse aus anderen Religionen, Riten und dem Zeitgeist erweitern den Glaubensalltag, Feste und Bräuche. Damit bieten sie einen wertvollen Beitrag für das Verständnis einer regionalen Kultur.
Es kommt vor, dass die Volksfrömmigkeit in Opposition zum offiziellen Glauben steht.
Christentum
Im europäischen Christentum ist es auch ein teilweise polemischer Sammelbegriff für religiöse Vorstellungen und Andachtsformen, die eine andere ästhetische und intellektuelle Ausprägung als die geltende klerikale Lehre haben, jedoch das Gefühls- und Alltagsleben Einzelner bestimmen.
- Im Katholizismus hat sich eine Vielfalt volkstümlicher Frömmigkeitsformen entwickelt, vor allem im Bereich der Herz-Jesu-, der Marien-, Engel- und Heiligenverehrung. Die offizielle Liturgie gab der Volksfrömmigkeit Raum und blieb in Kontakt mit ihr. Einseitigkeiten und Auswüchse wurden und werden jedoch vom Lehramt kritisiert und teilweise als Häresie verfolgt.
- Der Protestantismus, der eine Rückbesinnung auf die Schrift forderte, stand der Volksfrömmigkeit von Anfang an skeptisch gegenüber. In geringerem Maß haben aber auch in seinem Bereich bildliche und rituelle Ausdrucksformen Raum gefunden und sich regionale Besonderheiten entwickelt.
In Europa steht die Volksfrömmigkeit seit der Aufklärung unter besonderer Kritik, da in dieser Art der Glaubenspraxis die Vernunft eine untergeordnete Rolle spielt und Gefühle und das Gemüt betont werden. Wie die traditionelle Religiosität insgesamt befindet sich auch die Volksfrömmigkeit im westlichen Kulturkreis im Rückgang. Einige Kulturwissenschaftler sehen das Vakuum, das sie hinterlässt, von medial vermittelten Bildern etwa aus der Werbung besetzt.
Eine weitere These ist, dass hier kein Rückgang, sondern eine Verlagerung stattfindet. z.B. auf neureligiöse Gemeinschaften oder auf den Bereich der Esoterik.
Islam
Im Islam gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen regionalen Besonderheiten in der Glaubensausübung. Jedoch ist eine Abgrenzung nicht mit dem Christentum zu vergleichen, da es keine zentrale Kirche oder ein Oberhaupt gibt.
Siehe auch:
Wallfahrt, Wegkreuz, Weihnachten, Adventskranz, Ostern, Hexen
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