Die Verschwörungstheorien suchen eine Daseinberechtigung, indem sie eine große Anzahl an Widersprüchen und offene Fragen aufstellen.
Diese sind in mehrere Kategorien unterteilbar - auch wenn es Überschneidungen gibt:
Offene Fragen zum Verhalten der mutmaßlichen Terroristen
Zweifel gibt es auch an den in Boston gefundenen "Beweisen" zu den angeblichen Tätern. So hinterließen die "Topterroristen" arabische Flugpläne/Lehrvideos und einen Koran in Mietautos und buchten Inlandsflüge - für die keine Ausweiskontrolle besteht - unter ihren wirklichen Namen.
Sie schrieben außerdem Abschiedsbriefe, die unsinnigerweise im Gepäck lagen, welches durch Zufall am Flughafen hängenblieb.
Ungeklärte Fragen zu den offiziellen Verlautbarungen
- Trotz der verheerenden Feuersbrunst durch die Flugzeuge und der riesigen Verwüstungen, die das einstürzende WTC verursachten, soll schon kurz nach der Katastrophe ein paar Straßen weiter der unversehrte Pass eines Entführers gefunden worden. Für diese Aussage gibt es keinen Beleg.
- Das Pentagon, Führungszentrale der mächtigsten Armee der Welt mit Tausenden Beschäftigten, verfügt zwar über einen dem Status entsprechenden Eigenschutz mit eigener Flugabwehr. In der Tat ist schwer zu glauben, dass ein riesiges Verkehrsflugzeug in der für zivile Luftfahrt gesperrten Zone einfach vom gesamten Sicherheitssystem übersehen wurde. Tatsächlich war jedoch die Erkennung der Ziele der Terrorpiloten schwer möglich und die Kommunikation lief chaotisch ab.
- Die Maschinen aller US-Fluggesellschaften sind gerade für den Fall einer Entführung mit Transpondern ausgerüstet, die ein entsprechend codiertes Notsignal absetzen. Die Auslöseschalter für diese Notsender sind über das Flugzeug verteilt. Äußerst unwahrscheinlich ist es deshalb, dass nicht ein einziges Besatzungsmitglied von allen vier Maschinen es geschafft haben sollte, einen der Auslöser zu betätigen. Tatsache ist: Die Transpondersteuerung ist nicht über das Flugzeug verteilt, sondern steht natürlich nur dem Flugkapitän im Cockpit zur Verfügung. Da die Flugkapitäne - soweit rekonstruierbar - von den Entführern nach dem Eindringen in die Kabinen sofort getötet wurden, war das Absetzen eines Notsignals nicht mehr möglich. Zur Erinnerung: "Klassische" Flugzeugentführer töten normalerweise keine Crewmitglieder, die für die Steuerung des Flugzeugs benötigt werden, die Vorgehensweise war neuartig. Der Untersuchungsbericht des Kongress beklagte in diesem Zusammenhang, dass das schwerwiegendste Versagen ein "failure of imagination" gewesen sei.
Vorwissen der Geheimdienste
Angesichts solcher Systeme wie Echelon und der enormen Budgets der Geheimdienste NSA und CIA möchten Kritiker nicht glauben, dass die USA überrascht waren. Laut der FAZ gab es Mitte August Warnungen vom BND, dem Mossad und weiteren Geheimdiensten, welche speziell vor Flugzeugentführungen warnten. Ein reines Versagen bei der Zusammenarbeit der Dienste ist angesichts dieser Umstände eher unwahrscheinlich.
Es scheint paradox, dass die USA erst nichtsahnend überrascht waren, aber dennoch nach wenigen Stunden bereits die Täter aus dem Hut zauberten.
Medienmanipulation / Propaganda
- Viele Kritiker finden allein schon die Bezeichnung "Verschwörungstheorie" unpassend, da sie abwertend ist, obgleich der Vorwurf einer teilweise schlampigen Recherce der Verschwörungstheoretiker nicht zu leugnen ist.
- Unterstellt wird eine zentrale Steuerung der Massenmedien, duch die die Verbreitung "wahrer" Informationen über die Anschäge vehindert werde. Die Verschwörungstehoretiker hatten jedoch keinerlei Schweirigkeiten ihre Thesen in den Medien Buch und Fernsehen zu verbreiten.
- Angeblich konnte außer einem umstrittenen Bekennervideo von Osama Bin Laden kein stichfester Beweis gegen ihn vorgelegt werden. Tatsächlich gibt es mehr als genug Beweise, die die Terrorpiloten mit bin Laden in Verbindung bringen. Die Täter konnten durch verschiedene Quellen - unter anderem Aufnahmen von Flughafenkameras und gespeicherte Kreditkarteninformationen - rasch als arabische Terroristen identifiziert werden. Es wurde bekannt, dass die Attentäter in afghanischen Ausbildungslagern der Qaida gewesen waren. Zudem hatten die mittlerweile gefaßten Ramzi Binalshibh und Chalid Sheikh Mohammed Kontakt sowohl zur Führungsebene der Qaida als auch zu den Flugzeugentführern. Zu erinnern ist außerdem an das Attentat radikaler Islamisten auf das WTC im März 1993 sowie an die Fatwa von Osama Bin Laden, in der die Ermordung amerikanischer Zivilisten gerechtfertigt wird.
Zusammenarbeit mit den Terroristen
- Vor dem Krieg sei es der Taliban gelungen den Opium-Mohn Anbau in Afghanistan fast vollständig auszuschalten. Als wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Geheimdienste (CIA), die die Bewegung dieser Drogen weltweit kontrollieren, sei das ein Angriff auf ihr Finanziell wichtigste Resource - Geheime schnellflüssige Gelder (Narco Dollars) gewesen. Entkräftung: Die Taliban hatten den Opiumanbau in Afghanistan mitnichten ausgeschaltet; vielmehr hatten sie nur den wilden Anbau sowie den Konsum durch Moslems verfolgt: Der Export in nicht-islamische Länder lief von quasi-staatlicher Stelle aus ungestört weiter, da Rauschgiftabhängigkeit von Ungläubigen, also Nicht-Moslems, von den Taliban als durchaus wünschenswert angesehen wurde; die allmähliche Zerstörung der nicht-islamischen, insbesondere westlichen Staaten sollte so unterstützt werden. Die Behauptung, die CIA kontrolliere den weltweiten Opium-Handel und habe den Anschlag auf das WTC zumindest gebilligt oder sogar maßgeblich ausgeführt, um in Afghanistan ungestört Mohn anbauen zu können, muß ohne Belege oder wenigstens Indizien wohl als abenteuerlich bezeichnet werden.
Folgen
Viele Verschwörungstheorien basieren auf der Annahme der Nutznießer eines Ereignisses sei dessen Urheber. Dies kann natürlich so sein, muss es aber nicht, auf jeden Fall muss die Urheberschaft separat belegt werden. Dieses Argumentationsmuster ist auf den klassischen Denkfehler der Verschwörungstheoretiker zurückzuführen: Die Unterschätzung der Komplexität. Aus Intentionen folgen angeblich linear Resultate, weshalb umgekehrt von Resultaten linear auf Intentionen zurückgeschlossen werden kann.
Beispiele für diese Argumentationsweise:
- Nach den Anschlägen wurde von den USA ein neuer "Weltkrieg" gegen die "Schurkenstaaten", die Terroristen beherbergen, eingeleitet. Nach Ende des Kalten Krieges, nachdem der Kommunismus verloren hatte, erfolgte nun ein Feindbildwechsel der westlichen Welt. Bei dieser Behauptung wird völlig übersehen, dass der Islamismus dem Westen tatsächlich feindlich gesonnen ist.
- So genannte "Anti-Terror-Gesetze", die zu mehr Überwachung und Einschränkung von Grundrechten führten, waren in vielen westlichen Staaten leicht durchzusetzen.
- Der Krieg gegen den Irak 2003 wurde offensichtlich nur als Ölinteressen geführt. Saddam Hussein wurde schon am 11.9. beiläufig verdächtigt.
"Die Juden sind schuld"
Manche Verschwörungstheorien dieses Typs in der islamischen Welt sind fest in ein antisemitisches Verschwörungsszenario integriert. So unterstellte beispielsweise der Fernsehsender der libanesischen Hizballah, der Mossad habe die Anschläge inszeniert, um die israelische Position zu stärken. Belegt wurde dies mit der falschen Behauptung alle 4000 im WTC beschäftigten Juden hätten an diesem Tag Urlaub genommen. Die Behauptung wurde von Gerhard Wisnewski weiterverbreitet.
Die Kritik an den Theorien
Die taz griff die Verschwörungstheoretiker scharf an und wies auf einen Schulterschluß mit Rechtsextremisten wie Horst Mahler hin www.taz.de/pt/2003/07/02/a0089.nf/text ; in einer Spiegel-Titelgeschichte wird das Thema auch aufgegriffen und den Enthüllungsjournalisten der 11.September-Verschwörung einseitige Berichterstattung und schlampige Recherchen bis hin zur Faktenverfälschung nachgewiesen. Viele ihrer Schlußfolgerungen wurden dabei sachlich widerlegt. /spiegel/0,1518,264593,00.html (kostenpflichtig). Sowohl Matthias Bröckers als auch Gerhard Wisnewski haben zu den Vorwürfen Stellung genommen. www.broeckers.com/FFB-Nachwort.htm , ourworld.compuserve.com/Homepages/G_Wisnewski/obrief.htm
- Tobias Jaecker: Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September. Neue Varianten eines alten Deutungsmusters. LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 3825879178
- taz.de/pt/2003/07/02/a0089.nf/text Verschwörungsprofis unter sich