| Infos Home | Impressum | Original Artikel & Autoren Liste |
Der "wahre Wert" lässt sich eigentlich nur bei zählbaren Größen feststellen. Dagegen ist jede Messung - in welchem Genauigkeitsbereich auch immer - mit unvermeidlichen kleinen Fehlern behaftet, sodass man theoretisch nie wahre Werte erhält, sondern wahrscheinlich(st)e Werte.
| Inhalt |
|
1 Schätzung im mathematischen Sinn 2 Umgangssprachliche Bedeutung 3 Zu Fuß, unterwegs und auf dem Meer 4 In Wirtschaft und Technik |
Schätzung im mathematischen Sinn
Als Schätzung gilt eine genäherte Ermittlung (Approximation) von Zahlenwerten, Parametern oder Resultaten aufgrund gegebener Werte. Ihre Genauigkeit wird bei Messwerten aus deren Streuung berechnet, bzw. anhand der verfügbaren Ressourcen oder Bedingungen gewählt - wonach sich dann Schätz-Methode und Aufwand richten.
Siehe auch: Überschlag, Standardabweichung
"Statistische Schätzverfahren" können trotz ihres Namens eine sehr hohe Genauigkeit haben - etwa bei geodätischen Netzen (mm pro km) oder bei der Integrierten Navigation - und würden in der Alltagssprache eher als präzise Rechenmethode angesehen werden.
Umgangssprachliche Bedeutung
Im Alltag spricht man von Schätzung, wenn das Ergebnis auf raschem Wege nach dem Augenschein, mit Intuition oder mittels Erfahrung bestimmt wird.
Genauer ausgedrückt, ist eine Schätzung die intuitive Zahlenangabe oder Bewertung von messbaren (meist pysikalischen) oder zählbaren Größen.
Sie wird meistens einer "genaueren" Bestimmung vorgezogen, weil deren Aufwand zu groß wäre oder der Schätzfehler in der Praxis bedeutungslos ist.
Einige Beispiele:
o "Ich schätze, ein Teelöffel Salz ist zuviel."
o "Ich schätze, wir sind 2 km gelaufen."
o "Ich schätze diesen Gipfel um 500 Meter höher als unsere Hütte."
o "Der Höhenmesser hat meine grobe Schätzung halbwegs bestätigt."
o "Ich schätze, es sind 10 Minuten vergangen."
o "Die Polizei schätzte die Beteiligung auf 5.000 Demonstranten."
Ein häufiges umgangssprachliches Synonym für eine grobe intuitive Schätzung lautet "Pi mal Daumen", oder "über den Daumen geschätzt". Zur raschen Verbesserung solcher Vorgangsweisen gibt es für viele Bereiche sogenannte Faustformeln.
Zu Fuß, unterwegs und auf dem Meer
Unserer alltäglichen Orientierung liegt erstaunlich oft eine Schätzung zugrunde. Beispielsweise kann man die Vertikale mit freiem Auge auf etwa 1-3° (siehe ¹) schätzen, die eigene Geschwindigkeit auf 10-20 Prozent und mit dem Auto zurückgelegte Distanzen ab einigen Kilometern auf etwa 20-30 Prozent. Doch gibt es dabei erstaunliche Missgriffe:
Wer als Fußgänger oder Radfahrer einen Autofahrer um Schätzung einer Wegzeit oder einer Entfernung ersucht, muss damit rechnen, auf kurze Distanzen bis zu fünfmal länger zu brauchen. Ab einigen Minuten Autofahrt sinkt dieser mögliche Fehler auf etwa 50 Prozent.
¹) Wenn man lange auf einer schrägen Fläche arbeitet oder wandert, kann man sich bei Schätzung der Horizontalen um 5-10 Grad irren. Erst wenn man sich um die eigene Achse dreht, reduziert sich dieser Fehler auf 2-3°.
Kolumbus war ein wahrer Meister der Schätzung - und wer es als "Zufall" ansieht, dass er die entdeckten Inseln nach vielen Wochen nochmals genau erreichte, oder nach über 5000 km Rückfahrt (Jan. bis März 1493) wieder zur richtigen Atlantik-Insel kam, tut ihm unrecht.
Seine Ortungen unterwegs beruhten auf der "Koppelnavigation" mit Schätzung von Kurs und Geschwindigkeit. Letztere schaffte er - hauptsächlich durch langjährige Erfahrung als Seemann - auf 5-10%, auch ohne jeglichen Anhaltspunkt. Die mittleren Fehler der damals verfügbaren Loggen mit Leine und Sanduhr waren eher größer.
In Wirtschaft und Technik
wird ebenfalls öfter geschätzt als gemeinhin angenommen. So lässt sich zwar bei größeren Bauwerken die Statik relativ genau berechnen, die Festigkeit mancher Bauteile oder die Überlagerung von Fertigungs-Toleranzen aber weniger gut. Für besonders wichtige Teilaspekte wird daher mit hohen Sicherheitsfaktoren gearbeitet. Ob diese nun z.B. mit 2,5 oder 3 angesetzt werden, ist teilweise Ansichtssache.
Ein anderes Beispiel sind komplizierte oder vernetzte Messungen. Im Regelfall kommt es dem Auftraggeber auf ein Ergebnis an, das eine bestimmte Genauigkeit und Verlässlichkeit garantiert. Am wirtschaftlichsten wäre, die dazu nötigen Detailarbeiten mit Methoden strenger Statistik zu ermitteln. Erfahrene Ingenieure planen jedoch mehr Messreihen, um gewissen Eventualitäten begegnen zu können. Wieviel Mehraufwand "zur Sicherheit" eingebaut wird, ist teilweise persönlich gefärbt.
Viele Entscheidungen in Unternehmen und in Projekten fallen weniger aufgrund genau kalkulierbarer Kennwerte, als vielmehr nach Erfahrung, Erwartungshaltungen, grober Verlaufsschätzung oder der Befragung nur weniger Personen.
Dennoch ist z.B. die "Delphi-Methode" (referierte Befragung von Fachleuten) ein allgemein anerkanntes Mittel, um Zukunftsentwicklungen anzuschätzen.
siehe auch: Ausgleichsrechnung, Immobilienschätzung, Preis, Gefühl, Zeitdauer
|
Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste"). Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz. |