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1 Definition der katholischen Kirche 2 Biblischer Hintergrund 3 Historische Entwicklung 4 Sicht anderer Kirchen 5 |
Definition der katholischen Kirche
Definition des Jurisdiktionsprimats im 1. Vatikanischen Konzil:
Bibeltext im Zusammenhang:
Johannes 21, 15ff::"Weide meine Lämmer ... weide meine Schafe"
Historische Entwicklung
Frühe Kirche
In der Frühzeit der Kirche bildeten sich, der römischen Verwaltungsstruktur entsprechend, fünf Patriarchate heraus. Das römische Patriarchat deckte dabei das gesamte Gebiet des Weströmischen Reiches ab.
Die frühe Kirche hat dem Patriarchat von Rom gegenüber den anderen Patriarchaten ein Ehrenprimat oder Primat der Liebe zugestanden - eine Ehrenstellung im Sinne eines Primus inter Pares, die aber weder einen qualitativ höheren Rang beiinhaltete noch das Recht, ungefragt in die inneren Angelegenheiten anderer Patriarchate einzugreifen.
Die römische Kirche war in den ersten Jahrhunderten die Kirche der Hauptstadt, war allgemein geachtet, da sie die Gräber der "Apostelfürsten" Petrus und Paulus beherbergte und hatte eine hohe moralische Autorität. Ihr wird von den übrigen Kirchen ein Ehrenprimat gegeben. Die Petrusverheißung gemäß Matthäus 16,18 wird jedoch in der ganzen christlichen Literatur der ersten Jahrhunderte nur einmal zitiert: bei Tertullian, der die Stelle aber nur auf Petrus, nicht auf Rom bezieht.
Von Papst Klemens I ist ein Brief an die Korinther überliefert, mit dem er Streitigkeiten der dortigen Gemeinde zu schlichten versucht. Der Brief aus dem ersten jahrhundert zeigt, dass sich Papst Klemens auch für andere Gemeinden verantwortlich fühlte, auch wenn er darin keine explizite Jurisdiktion einfordert.
Der römische Bischof Viktor I (189-199) exkommunizierte ganz Kleinasien wegen des Ostertermins, traf dabei aber auf den Widerstand der übrigen Bischöfe, insbesondere auch des hochangesehenen Irenäus von Lyon und erlitt insofern eine Niederlage. Daneben exkommunizierte der energische Papst einen gewissen Theodotus von Byzanz aus theologischen Gründen und enthob den gnostischen Priester Florinus seines Amtes; daneben verurteilte er den sogenannten Adoptianismus. Viktor nahm so die Jurisdiktionsgewalt auch für andere Gemeinden mehrmals in Anspruch und wurde zum ersten Papst, dessen Primatsanspruch zum einen klar gefaßt war, zum anderen geschichtlich dokumentiert ist.
Der erste römische Bischof, der sich auf die Petrusverheissung berief, war Stephan I (254-257) in der Auseinandersetzung mit Cyprian von Karthago, doch er konnte sich damit nicht gegen Cyprian und die Bischöfe von Alexandria und Caesarea durchsetzen.
Ein westliches Konzil in Sardika 343 erlaubt abgesetzten Bischöfen die Appellation nach Rom. Der Entscheid wird von Julius I (337-352) als Beschluss von Nicäa ausgegeben, ist dort aber nirgends erwähnt.
Damasus I (366-384) interpretiert als erster die Petrusverheißung juristisch um für die römische Kirche eine Monopolstellung zu begründen. De facto hat jedoch sein Zeitgenosse Ambrosius, der Bischof von Mailand, wesentlich mehr Einfluss in der Kirche. Der Nachfolger von Damasus, Siricius, (384-399) nennt seine Statuta "apostolisch" und übernimmt im Verkehr mit den übrigen Kirchen den Amtsstil der kaiserlichen Kanzlei.
Das erste Konzil von Konstantinopel 381 weist dem Bischof von Neu-Rom (Konstantinopel) den zweiten Rang nach dem des alten Rom zu.
Bonifatius I (418-422) verbietet weitere Appellationen nach einem Entscheid von Rom und bezeichnet Rom als apostolicum culmen, die apostolische Spitze. Sein Zeitgenosse Augustinus von Hippo weiß jedoch nichts von Jurisdiktionsprimat Roms, für ihn ist, wie für die übrige damalige Kirche, die höchste Instanz das ökumenische Konzil.
Im dritten ökumenischen Konzil von Ephesus 431 wird Papst Coelestin I von einer dreiköpfigen römischen Delegation als Nachfolger von Petrus dem Haupt der Apostel bezeichnet, das findet jedoch in den Konzilsentscheiden keinen Widerhall.
Leo I (440-461) arbeitet die römische Primatidee voll aus, begründet durch Matthäus 16,18 und das römische Erbrecht. Im Konzil von Chalcedon 451 wird jedoch dem Patriarchat von Konstantinopel der gleiche Primat zuerkannt wie der alten Reichshauptstadt - Leo anerkennt das Konzil erst zwei Jahre später.
Gregor I (590-604) wird im ersten Vatikanischen Konzil als höchster und universaler Hirte zitiert. Im Zusammenhang schreibt er jedoch an den Patriarchen Eulogios von Alexandria: "Ich habe nicht befohlen, sondern auf das, was mir nützlich erschien, hinzuweisen versucht... Ich halte nicht das für eine Ehre, von dem ich weiß, dass es meinen Brüdern die Ehre raubt. Meine Ehre ist die Ehre der ganzen Kirche. Meine Ehre ist die feste Kraft meiner Brüder. Dann werde ich wahrhaft geehrt, wenn einem jeden von ihnen die schuldige Ehre nicht verwehrt wird." Im ersten vatikanischen Konzil wird nur der kursive Teil aufgeführt.
Mittelalter
Als Gegendienst für die Krönung zum fränkischen König schenkt Pippin dem Papst das von den Langobarden zurückeroberte Exarchat Ravenna und weitere Ländereien, was von Rom mit der gefälschten Konstantinischen Schenkung begründet wird (womit ein ebenfalls existierender Rechtsanspruch des byzantinischen Kaisers abgewiesen wurde). Die Krönung eines westlichen Kaisers im Jahr 800 gab dem Papst einen weiteren Prestigegewinn und Einfluss auf die fränkische Staatskirche.
Das nur von der katholischen Kirche anerkannte, während des Photius-Schismas von Papst Nikolaus I einberufene vierte Konzil von Konstantinopel stellt im Jahr 869 fest: Und da der Ausspruch unseres Herrn Jesus Christus nicht unerfüllt bleiben kann: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen", so bewahrheitet sich dieses Wort durch dessen Auswirkungen: denn beim Apostolischen Stuhl wurde die katholische Religion stets unversehrt bewahrt und die heilige Lehre verkündet. Von seinem Glauben und seiner Lehre wollen wir niemals getrennt sein werden, und wir hoffen, dass wir würdig sind, in der einen Gemeinschaft zu leben, die der Heilige Stuhl verkündet.
Zehn Jahre später, wird am gesamtkirchlichen, auch vom Papst Johannes VIII anerkannten Konzil von 879 in Konstantinopel die Jurisdiktion des Papstes für den Westen voll anerkannt, für die übrigen Patriarchate aber klar abgelehnt.
Leo IX und Morgenländisches Schisma...
Nikolaus II (1058-1073) lässt sich als erster Papst mit der Tiara krönen.
Gregor VII (Hildebrand) verfasste den Dictatus Papae, 27 Lehrsätze über das Primat des Papstes, die er auch, z.B. im Investiturstreit in die Praxis umsetzt. Auszüge:
Das 2. Konzil von Lyon unter Gregor X erklärt im Jahr 1274:
Bonifatius VIII erlässt im Zusammenhang mit seinem Konflikt mit Philipp IV. dem Schönen 1302 die Bulle"Unam sanctam", was den König nicht hindert, den Papst noch im gleichen Jahr arretieren zu lassen um die Unabhängigkeit der weltlichen Gewalt zu demonstrieren.
Auf dem fünften Laterankonzil 1516 erklärt Leo X "Der zur Zeit existierende römische Pontifex, der die Autorität über alle Konzilien besitzt.." Die Allgemeingültigkeit dieses Papstkonzils wurde jedoch schon damals bestritten, da es praktisch nur von Italienern und Kurienkardinälen besucht war.
Sicht anderer Kirchen
Außerhalb der römisch-katholischen Kirche wird Mt. 16,18 nur auf den Apostel Petrus oder, im Zusammenhang mit der Parallelstelle Matthäus 18,18, auf alle Apostel, alle Geistlichen oder alle Christen bezogen. Die These, dass der Bischof von Rom einziger Rechtsnachfolger von Petrus ist und von daher diese Leitungsfunktion über die ganze Kirche "erbt", ist nur in der römisch-katholischen Kirche anerkannt.
Ein "Petrusamt" im Dienst der Einheit der Kirchen halten auch manche nichtkatholischen Theologen für wünschenswert, Jurisdiktionsprimat und absolute Lehrvollmacht (Unfehlbarkeit), wie sie der Papst in der katholischen Kirche ausübt, werden aber entschieden abgelehnt und als Hindernis zur Einheit der Kirchen angesehen.
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