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Als nun die Kolonisierten nach dem Zusammenbruch des britischen Empire ihre Unabhängigkeit erlangten, waren sie somit geistig immer noch Kolonisierte. Entweder sie folgten dem europäisch-kapitalistischen oder dem sozialistischen Entwicklungsmodell, das ebenfalls seine Wurzeln in Europa hatte. Der Rückgriff auf eine eigene Tradition wurde ebenfalls versucht, aber da diese Tradition durch die westliche Definitionsmacht geprägt und umgeformt oder erst geschaffen wurde, ist auch dieser Weg keine "eigener".
Postkoloniale Ansätze, entwickelt von Immigranten in den USA und Intellektuellen aus Indien, untersuchen diesen paradoxen Prozess der Selbstfindung von Gruppen und Individuen aus den ehemaligen Kolonien, sie versuchen diese "Subalternen" zum Sprechen zu bringen und sie den kolonialen Zuschreibungen eurozentrischer Wissenschaft zu entziehen.
Problemstellung des Postkolonialismus
Im Prozess der Kolonialisierung findet ein gewaltförmiger Kulturkontakt statt: eine Kultur erobert die andere und formt sie nach ihrem Bilde um, verändert und zerstört um zu herrschen. Diese Veränderung erfolgt jedoch nicht nur durch Gewalt, sondern durch die Macht der Definition. Die europäische Wissenschaft definiert im Zuge der Durchdringung der Welt, was z.B. "orientalisch", "asiatisch" aber in der Selbstbeschreibung auch was "westlich" und "europäisch" ist. Trotz ihres neutralen Anspruchs legt die europäische Wissenschaft dabei eben eurozentrische Maßstäbe an, sie ist kann mit fremden Maßstäben und Ordnungssystemen nicht umgehen.
Ist die Kultur des kolonisierten Raumes nach der geistigen und physischen Kolonisierung dann erst einmal zerstört, sind die westlichen Definitionen und Beschreibungen oft das einzige erhaltene Zeugnis derselben - die einheimischen Überlieferungen hingegen sind zerstört - man denke an die gezielte Ermordung der Schwarzen Schamanen und Voodoo-Houngans im Zuge des Sklavenhandels oder die Verbrennung von "heidnischen" Bildern und Schriften durch die christlichen Missionare in Südamerika.Kritik am Postkolonialismus
Die Marxistische Kritik an Postkolonialismus zielt darauf ab, dass dieser in seiner Fixierung auf kulturelle Probleme die ökonomischen Ursachen des Kolonialismus außer acht lässt. Er liefert keine Erklärung, warum die europäischen Mächte im Rahmen des Kulturkontaktes die "Anderen" nicht einfach in Ruhe ließen. Will man dieses Faktum erklären, will man wissen, wie auch heute noch koloniale Abhängigkeiten im Rahmen der sogenannten Globalisierung neu hergestellt werden, muß man sich notwendigerweise mit Imperialismustheorien oder anderen ökonomischen Erklärungen auseinandersetzen - neben der Kultur spielen Staat und Kapital eine wichtige Rolle bei der Kolonisierung.
Auch die gänzliche Ablehnung der eurozentrischen Fortschrittsvorstellung wirft Probleme auf. Die Suche nach einem eigenen Weg kann nicht die Rückkehr zum vor-kolonialen Zustand bedeuten, denn erstens ist nicht feststellbar, wie dieser genau aussah, und zweitens will auch niemand ernsthaft auf gewisse technologische oder auch politische Errungenschaften verzichten. Somit würde ein eigener Weg für die ehemals Kolonisierten notwendigerweise die Integration von in Europa geprägten wissenschaftlich-technischen Erkenntnissen erfordern. Vielleicht geht es weniger darum, die Vorstellung des Fortschritts als eurozentrisch abzulehnen, sonern einen selbstbestimmten Weg von Fortschritt und Entwicklung zu finden. Dies ist freilich eine politische Frage: Wieviel Handlungsspielraum besitzen die ehemaligen Kolonien im Rahmen des globalisierten Kapitalismus? Wie können sie diesen erweitern?TheoretikerInnen des Postkolonialismus (Auswahl)
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