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Leben
Der Name »Schinderhannes« verweist auf den Beruf des Vaters, der als Wasenknecht (Abdecker) arbeitete. Der Vater Johannes Bückler stammte aus Merzweiler bei Grumbach, die Mutter Anna Maria, geborene Schmidt, aus Miehlen bei Nastätten im Hintertaunus. Die Eltern Bücklers flüchteten 1783 wegen eines Holzfrevels und eines Wäschediebstahls der Mutter aus Miehlen. 1784 ließ sich der Vater für sechs Jahre vom österreichischen Heer anwerben. Er diente in Mähren, desertierte 1787 und kehrte zunächst in seinen Geburtsort Merzweiler zurück. Die räuberische Karriere des jungen Johannes Bückler begann aber erst mit den Revolutionskriegen ab 1794, als französische Truppen das gesamte linksrheinische Gebiet besetzt hatten und damit den Hunsrück in einen anarchischen Zustand versetzten. Hunger, Arbeitslosigkeit und das Fehlen der alten Ordnungsmacht ließen über zwanzig Prozent der Bevölkerung ihr Heil und Überleben in Diebstahl und Raub suchen.
Bückler selbst dürfte in etwa ab 1795 mit Vieh- und Nahrungsdiebstahl begonnen haben. In Kirn wurde er erstmals gefangen genommen, konnte aber kurz darauf entfliehen. Es folgte vollends der Abstieg in die Halbwelt. Kurz darauf schon muss sich Bückler einer Bande angeschlossen haben, zu der u.a. auch der noch heute aus Kinderkartenspielen bekannte Schwarze Peter gehörte. Nur wenig später wurde Bückler, durch seine Schnelligkeit wie auch seine Lesefähigkeit ausgezeichnet, Anführer dieser Bande, die dann auch Morde zu verüben begann.
Die Bande des Schinderhannes bestand aus ein bis zwei Dutzend Mitgliedern, die bedarfsweise durch Boten zusammengerufen wurden, also durchaus normalen Tätigkeiten nachgingen. Die Bande lebte nicht nur von Diebstählen und Raub, sondern auch Erpressungen, die vor allem über Briefforderungen ausgeführt wurden. Bei Entführungen wurden aber die Opfer hie und da trotz Lösegeldzahlungen ermordet. Auch gilt heute als gesichert, dass der Schinderhannes sich weder auf »den Krieg gegen Reiche, Juden und Franzosen« beschränkte, noch ein Wohltäter der Armen war. Dennoch scheint es gerade unter den armen Bauern schon früh eine Unterstützung der Bande gegeben zu haben. Denn in den Augen des einfachen Volkes wurden die Juden von den Franzosen bevorzugt (siehe: Judenemanzipation), was Neid und Unmut hervorrief. Schinderhannes nutzte diese Stimmung gegen die Juden, indem er immer wieder Juden beraubte. Dies brachte ihm die Sympathie des Volkes ein und mag später zu verklärenden Geschichten und Legenden seiner Taten beigetragen haben.
Mit dem neuen Jahrhundert begann allmählich das französische Polizeisystem Wirkung zu zeigen. Der auch wegen seiner Frauengeschichten berühmte Schinderhannes befand sich ab 1800 auf der Flucht. Nach zahlreichen Vorgängerinnen, von denen namentlich lediglich eine Elise Werner, eine Buzliese-Amie und eine Katharina Pfeiffer überliefert sind, wurde seine achte oder neunte Geliebte die im Volksmund auch Julchen genannte Juliana Blasius. Juliana wurde die erste beinahe ebenbürtige (und ebenso legendäre) Begleiterin des flüchtigen Räubers.
Um 1801 hauste die Bande des Schinderhannes auf der halb verfallenen Schmidtburg im Hahnenbachtal oberhalb von Kirn. Im nahegelegenen Dorf Griebelschied feierte man sogar öffentlich einen sogenannten Räuberball. Vielleicht durch diesen Übermut wurde die längst sich im Fokus polizeilicher Interessen befindende Bande dann auch lokalisierbar. Nachdem Bückler noch einmal der Verhaftung entgangen war, ließ er sich von der kaiserliche Armee rekrutieren, wurde dort aber von einem Verbrecherkollegen namens Zerfass erkannt und denunziert. Nach seiner Inhaftierung 1802 war Brückner im Holzturm in Mainz inhaftiert und 54 Einzelverhören unterworfen. Als ihm erkennbar wurde, dass die Obrigkeit ihm einige Verbrechen, aber keinen Mord würde nachweisen können, gab sich Bückler geständig. Ohne sich selbst zu belasten und in der Hoffnung auf einen Gnadenakt benannte er 68 Mitglieder seiner Bande, von denen dann 19 zum Tode verurteilt wurden. Bückler selbst wurde nach einem ihm wahrscheinlich unbekannten Gesetz, das ab 1794 auch für jedweden räuberischen Einbruch in ein bewohntes Haus die Todesstrafe vorsah, 1803 ebenfalls zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Die Legendenbildung begann schon mit der Exekution selbst. Bereits unter dem Galgen wurden Groschenhefte verkauft, die ein überhöhtes Bild des Verbrechers zeichneten und auch seinen Ruf eines »Robin Hood vom Hunsrück« begründeten. Die literarisch bekannteste Darstellung des Verbrechers als »edlen Räuber« bot dann aber erst Carl Zuckmayers Schinderhannes (1927).
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Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste"). Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz. |