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Johann Heinrich von Thünen

Johann Heinrich von Thünen (*24. Juni 1783, Kanarienhausen bei Hooksiel, † 22. September 1850, Gut Tellow bei Rostock) war ein deutscher Autor. Er legte 1826 mit seinem Werk Der isolierte Staat in Beziehung auf Landwirtschaft und Nationalökonomie den Grundstein für die volkswirtschaftlichen Standortlehre, die eine wichtige Rolle in der Wirtschaftsgeografie spielen. In Reaktion auf diese Veröffentlichung erhielt von Thünen 1830 die Ehrendoktorwürde der Universität Rostock. Neben seinen wissenschaftlichen Forschungen machte sich Thünen auch als Musterlandwirt und Sozialreformer einen Namen.

Inhalt
1 Die Thünenschen Ringe
2 Anwendung und Kritik
3 Werke
4 Quellen

Die Thünenschen Ringe

In seiner Theorie über den isolierten Staat, ging er von Adam Smiths homo oeconomicus aus: Der Landwirt ist bestrebt, den größtmöglichen Gewinn aus seiner Arbeit zu erwirtschaften. Aus seiner Erfahrung als Gutswirt wußte von Thünen, dass seine Erlöse von einer optimalen Nutzung der Landflächen und den Transportkosten abhingen. Um seine Gedanken ausschliesslich auf diese zwei Variablen zu konzentrieren, reduzierte von Thünen die restlichen Einflüsse auf einen homogenen - isolierten - Staat: Ein kreisrundes, völlig flaches Land ohne Aussenbeziehungen und einer alles dominierenden Stadt in der Mitte. Es gibt nur Getreide als einziges landwirtschaftliches Produkt und dessen Preis ist vorgegeben. Die Wirtschaft im Umland müsste sich bei ökonomischen Verhalten so anordnen, dass jede Branche eine optimalen Gewinn einfährt:

Die Transportkosten sind direkt proportional von der Entfernung zur Stadt und dem Gewicht der Ware abhängig. Der Preis pro ha (Lagerente) nimmt mit Entfernung zur Stadt ab. Der Mindestpreis einer Ware errechnet sich also aus der Lagerente und den Transportkosten und den fixen Produktionskosten - der Gewinn ist dann der Unterschied zwischen Mindestpreis und dem fixen Marktpreis.

Die Lagerente als zentraler Begriff in der Argumentation von Thünen ist als Äquivalent zum Bodenwert zu verstehen. Sie entspricht der maximal möglichen Summe, die ein landwirtschaftlicher Produzent für die Nutzung einer Fläche bezahlen könnte, ohne Verlust zu machen. Sie lässt sich für ein gegebenes Gut mit der folgenden Gleichung bestimmen:

dabei ist...

So würde z.B. die Lagerente eines Produktes mit einem Ertrag von 1.000 t/km², das auf dem zentralen Markt 100 DM/Tonne einbringt, wohingegen seine Produktion 50 DM/t und sein Transport 1 DM je Tonne und km kostet, im Zentrum der Stadt 50.000 DM/qkm (5 Pf/m²) betragen, in 10 km Entfernung nur noch 40.000 DM/qkm und in einer Entfernung von 30 km nur noch 20.000 DM/qkm. Entsprechend der mit zunehmender Entfernung zum Marktort fallenden Lagerente wird somit auch die Zahlungsbereitschaft eines jeden Landwirtes für landwirtschaftliche Flächen sinken und sich schließlich in den Bodenpreisen niederschlagen.

Von Thünen folgerte, dass sich beispielsweise der Getreideanbau nur in einer bestimmten Entfernung zu Stadt lohnte: Entweder wurden in der Nähe der Stadt die Kosten für den Boden zu hoch oder mit zunehmender Entfernung die Transportkosten, nämlich dann, wenn es ein anderes Produkt gibt, das entweder günstiger zu produzieren oder preiswerter zu transportieren ist. Ab einer Maximalentfernung zum Marktort (Stadt) wird dann die Produktion eines bestimmten Gutes unrentabel, weil entweder der Gewinn auf '0' sinkt oder der Gewinn eines anderen Produktes höher ist, denn die Berechnungen nahm Thünen für unterschiedlich flächenintensive landwirtschaftliche Produkte (Fleischvieh, Holz, Getreide, aber auch Eier, Milch usw.) vor: Für jedes Produkt gibt es einen bestimmten Abstand zur Stadt, in der sich die Produktion lohnt. Da Thünen die Transportkosten direkt auf den Marktort bezog ("Luftlinie"), ergeben sich kreisrunde Abgrenzungen zwischen den einzelnen Landnutzungszonen - Die Thünschen Ringe.

Treten nämlich die Produzenten mehrerer landwirtschaftlicher Produkte in Konkurrenz zueinander, "sortieren" sich ihre Standorte konzentrisch relativ zum Marktort entsprechend der Steilheit/dem Verlauf ihrer Lagerentenkurven: Ein Produkt, dessen Ertrag je Flächeneinheit zwar gering, dessen Marktpreis je Gewichtseinheit jedoch hoch und dessen Transportkosten je Gewichts- und Distanzeinheit ebenfalls hoch sind (z.B. Holz), kann daher beispielsweise nahe am zentralen Markt höhere Lagerenten erzielen als ein Produkt mit niedrigeren Transportkosten. Die Lagerente als Möglichkeit zur Zahlung höherer Renten für die Nutzung einer gegebenen Menge an Produktionsfläche, ist der Indikator für die "Konkurrenzfähigkeit" der Produkte relativ zum zentralen Marktort.

Anwendung und Kritik

Wie viele andere Modelle in der Geographie, wurde auch das Thünen'sche Modell häufig aufgrund der restriktiven Modellannahmen kritisiert. Dabei wurde jedoch übersehen, dass sich die Rahmenbedingungen des Modells durch geringfügige Modifikationen der jeweiligen Wirklichkeit annähern ließen. Die ringförmige Struktur, die auf einen einzigen punktförmigen Markt und die ausschließlich zentral-peripher verlaufenden Transportkostengradienten zurückgeführt werden kann, ist z.B. nur eine von vielen denkbaren geometrischen Ausgangssituationen. Beim Vorliegen anderer naturräumlicher Grundlagen oder spezieller Transportstrecken, können die Landnutzungszonen z.B. auch streifenförmig verlaufen. Wenn mehrere Märkte vorhanden wären, würden sich mehrere Zonierungsmuster um die jeweiligen Marktorte ausbilden und sich überlagern.

Ein berechtigter Einwand ist dagegen der Hinweis auf das Fehlen jeglichen produktiven Gewinns. In der Thünen'schen Theorie konkurrieren die verschiedenen landwirtschaftlichen Nutzungen um den optimalen Standort, der sich aus der produktspezifischen Angebots-/Aufwandsrelation ergibt. Die Konkurrenzfähigkeit wird über die erzielbare Lagerente indirekt quantifizierbar. Nach Abzug von Produktionskosten und standortgebundenen Transportkosten bleibt vom Markterlös jedoch nichts mehr übrig. Das von Thünen formulierte Modell geht also von der vollständigen Selbstversorgung der agrarischen Produzenten aus.

Thünens Verdienst ist der Versuch - unter Vernachlässigung einer ganzen Reihe von Raumeigenschaften - Nutzungszonierungen allein durch wirtschaftlich rationales Handeln zu erklären. Dabei spielt die Lagebeziehung zu den möglichen Konsumenten letztendlich die entscheidende Rolle für die Standortwahl. Gleichzeitig wird über diese Lagebeziehung eine Bewertung aller potentiellen Standorte ausgelöst, die zu einer Zonierung der möglichen Angebote führt. Dieses einfach aufgebaute Raum-Wirtschaftsmodell reagiert allerdings empfindlich auf Veränderungen der Raumüberwindungskosten. Es besitzt aber aufgrund seiner Universalität dennoch einen hohen Stellenwert innerhalb geographischer Fragestellungen und Methodik.

Werke

Quellen

Nachlass: Thünen-Archiv im Universitätsarchiv
Rostock, Familien-Thünen-Archiv im Archiv der Universität Hohenheim, Thünen-Museum Tellow


Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste").
Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz.



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