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Johann Gustav Gottlieb Büsching

Johann Gustav Gottlieb Büsching (* 19. September 1783 in Berlin, † 4. Mai 1829 in Breslau) war ein deutscher Archäologe, Germanist und Volkskundler.

Sein Vater, der Gymnasialdirektor und Oberkonsistorialrath Anton Friedrich Büsching, (1724-1793), gilt als Begründer der politisch-statistischen Methode der Geographie, seine Mutter stammte aus Theologenfamilie. Büsching, das zwölfte von 13 Kindern, verwaiste bereits mit 10 Jahren. Er studierte in Halle und Erlangen Rechtswissenschaft und wurde 1806 Regierungsreferendar in Berlin. Seine wahren Interessen lagen jedoch auf anderem Gebiet. Angeregt durch seinem Freund Friedrich Heinrich von Hagen begann er das Studium von Sprachaltertümern. Zusammen mit Hagen publizierte er 1807 eine Sammlung deutscher Volkslieder, 1808 "deutsche Gedichte des Mittelalters", 1809 ein "Buch der Liebe".

Inhalt
1 Die Arbeit als Säkularisierungskommissar
2 Archiv
3 Professur
4 Die Alterthümersammlung
5 Wissenschaftliche Kontakte
6 Publikationen
7 Der Verein für Schlesische Geschichte, Kunst und Altertümer
8 Privatleben
9
10

Die Arbeit als Säkularisierungskommissar

Auf der Suche nach Handschriften reiste er 1809 in das "klosterreiche Schlesien". In den schlesischen Klöstern entdeckte er zahlreiche wichtige alte Bücher, war aber über den verwahrlosten Zustand der Archive entsetzt und fasst den Plan einer schlesische Zentralbibliothek und Kunstsammlung, die das Material aus den Klöstern übernehmen und aufbereiten sollte. Die Ministerialsektion für den öffentlichen Unterricht des preußischen Kultusministeriums war von dem Vorschlag angetan, seine Verwirklichung wurde aber erst durch das Edikt vom 30. 10. 1810 über die Einziehung geistlicher Güter (Säkularisation) möglich. Am 8. 11. 1810 erhielt Büsching von Auftrag von Staatskanzler von Hardenberg den Auftrag, in Breslau bei der Hauptkommission für die Einziehung der geistlichen Güter in Schlesien unter Vorsitz des Oberpräsidenten von Massow die Inventarisierung und Aufbewahrung von Kunstsachen, Archiven und Bibliotheken zu übernehmen. Als er am 23. 11. 1810 in Breslau ankam, sah er sich einer komplizierten Situation gegenüber: bis zu 6.000 Urkunden und Bilder, Kunstsachen und andere Altertümer aus 91 Klöstern und Stiften mussten möglichst schnell bearbeitet werden, da Güter und Gebäude verkauft werden sollten.

Büsching ließ die Materialien mit Herkunftsbezeichnung versehen und in das Stift der Augustinerchorherren in Breslau transportieren, wo sich bald große Mengen von Büchern und Kunstgegenständen auftürmten, zum Mißvergnügen seiner Vorgesetzten. Nachdem Materialien aus 35 Klöstern und Stiften angekommen waren, verfügte die Hauptkommission am 6. 9. 1811, die Transporte einzustellen und das Material vor Ort zu selektieren und zu katalogisieren. Büsching versuchte sich dieser Verfügung, die eine geordnete Sichtung des Materials fast unmöglich machte, zu widersetzen, was ihm eine Rüge wegen Quertreiberei eintrug, wonach er seine Tätigkeit mit zunehmender Unlust fortführte. Zwei Jahre später wurden die Materialien nun doch nach Breslau verbracht, durch unzureichende Unterbringung und durch hastige und wenig sachkundige Selektion waren jedoch große Verluste von Archivalien eingetreten.

Archiv

Am 1. 6. 1812 wurde Büsching mit einem Gehalt von 600 Thalern zum Archivar und Aufseher der Kunstgegenstände ernannt. Sein Vorgesetzter war der Oberbibliothekar Johann Gottlob Schneider, ein klassischer Philologe, mit dem sich Büsching nicht verstand. Am 3.5.1812 erhielt Büsching die Aufsicht über die Gemäldesammlungen, am 6. 12. 1814 auch über die Sammlungen der Kupferstiche und Alterthümer. Am 27. 10. 1815 wurde das Archiv als eigenes Institut der Universität angegliedert.

1822 wurde das Provinzialarchiv selbständig. Mit dem gleichgeordneten Kollegen Stenzel gab es jedoch ebenfalls ständige Reibereien, die am 7. 4. 1825 mit der mit Entlassung Büschings aus dem Archivdienst endeten.

Professur

1816 habilitierte sich Büsching in Breslau und erhielt 1817 eine außerordentliche Professur für mittelalterliche Kunstgeschichte und historische Hilfswissenschaften (historiae artis medii aevi rerumque diplomaticarum). Die Besoldung von 200 Thalern wurde 1821 auf 400 Thaler erhöht, mit der Verpflichtung, auch über Kunstgeschichte zu lesen. Am 6. 8. 1822 wurde er, "in Anerkennung seiner verdienstlichen Bemühungen, besonders auch auf dem Gebiete der Kunst und der deutschen Altertümer" (Seger 1929, 173) zum Ordinarius ernannt. In seinen Veranstaltungen behandelte er vor allem mittelalterliche Kunst und Diplomatik, aber auch volkskundliche Themen. Ab 1820 bot Büsching auch Veranstaltungen zur deutschen Altertumskunde an. Er gilt als der erste Lehrstuhlinhaber für prähistorische Archäologie.
Titel der Veranstaltung Zahl der Veranstaltungen
Diplomatik 12
Geschichte der deutschen Kunst des Mittelalters 9
Geschichte der altdeutschen Baukunst 8
Geschichte des deutschen Ritterwesens 7
Deutsche Alterthümer mit Benutzung der Alterthümersammlung 8
Volksfeste, Sitten und Gebräuche seit Einführung des Christentums und Vergleichen

mit den Gebräuchen anderer Völker

4
(Nach Halub 1997)

Als der Professor für deutsche Sprache und Literatur, Friedrich Heinrich von der Hagen 1824 nach Berlin versetzt wurde, übernahm Büsching die Professur, sich die philosophische Fakultät Jacob Grimm, Karl Lachmann oder Hoffmann von Fallersleben als Nachfolger gewünscht hatte. Er hielt jedoch keine Veranstaltungen zu germanistischen Themen ab, trotzdem gilt Büsching, vor allem wegen der philologischen Forschungen in der Berliner Zeit, als früher Germanist. Nach Büschings Tod im Jahre 1829 wollte das preußische Kultusministerium die Professur der deutschen Sprache und Literatur zunächst nicht wieder besetzen. Schließlich wurde am 18. März 1830 August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) zum außerordentlichen Professor für deutsche Sprache und Literatur ernannt.

Die Alterthümersammlung

Von 1817-1825 arbeitete Büsching vor allem am Aufbau der Alterthümersammlung der Breslauischen Hochschule. Im Sprachgebrauch der Zeit verstand man unter Alterthümern Gegenstände, die aus der frühen Neuzeit, dem Mittelalter und der "heidnischen Vorzeit" stammten. Büschings Sammlungstatigkeit richtete sich besonders auf vor- und frühgeschichtliche Artefakte.

Einige wenige heidnischen Alterthümer stammten aus den aufgelösten Klöstern, besonders aus Sagan, dazu kamen noch Alterthümer aus der Sammlung in Frankfurt/Oder. Für Ankaufszwecke standen Büsching 1818 60 Thaler zur Verfügung, später deutlich weniger. Im Briefwechsel mit anderen Antiquaren suchte Büsching, an Abgüsse zu kommen und tauschte Alterthümer ein, eine damals durchaus übliche Praxis. Sein besonderes Interesse galt dabei heidnischen "Götzenbildern." Nach dem preußischen Landrecht (1. Theil, 9. Tit. des preußischen Gesetzbuches Abschnitt 8) gehörten "Schätze" demjenigen, der sie auf eigenem Grund fand, gänzlich, die Hälfte, wenn sie von anderen gefunden wurden. Der Oberpräsident Merckel wies aber am 24. 4. 1818 Finder heidnischer Altertümer in Schlesien an, sie der Universitätssammlung zu überlassen oder zu verkaufen.

Die meisten schlesischen Artefakte wurden aber durch Büsching in planmäßigen Ausgrabungen gewonnen. In einer Eingabe vom 17. 2. 1819 hatte er begründet, dass eigene Ausgrabungen notwendig seien und dafür 500 Thaler verlangt. Das Ministerium genehmigte die Ausgrabungen, stellt aber nur 166 Thaler 20 Silbergroschen zur Verfügung. 1820 erhielt er 133Thlr., 10 Sgr., später nur noch 70 Thlr. Grabungen wurden nun oft aus den Mitteln des nächsten Jahres oder aus eigener Tasche finanziert.

Wachstum der Sammlung:
JAHR TONGEFÄßE ANDERE STOFFE AUßERSCHLESISCHE FUNDE
1818 187 127 5
1820 800 260 10
1822 1300 705 180
1823 2350 800 242
1829 1500 864 696

Für die Altertümersammlung legte Büsching einen für diese Zeit vorbildlichen Katalog an. ''"In diesem Verzeichnisse werden alle eingesandten Alterthümer nach Materie, Maaß, Form, Zeichnung, Fundort und dem Namen des Einsenders so genau von Herrn Dr. Büsching beschrieben, daß selbst wenn die Gegenstände einmal verloren gehen sollten, dieses immer ein wichtiges Actenstück für die schlesischen Antiquitäten bleiben wird."'' schreibt darüber 1819 der schlesische Alterthumsforscher Friedrich Kruse. Durch eine weitgespannte Korrespondenz stand Büsching mit zahlreichen schlesischen Alterthumsforschern in Verbindung und erhielt so ständig Nachrichten über neue Funde. Diese Auskünfte wurden teilweise von Friedrich Kruse in seiner "Budorgis" verwertet, die als erster Versuch einer archäologische Landesaufnahme gelten kann.

Wissenschaftliche Kontakte

Büsching stand mit dem dänischen Antiquar Christian Jürgensen Thomsen in einem Briefwechsel über das von diesem entwickelte Dreiperiodensystem zur zeitlichen Gliederung der schriftlosen Vorzeit; er hatte jedoch ein eigenes Gliederungssystem entwickelt, dass er in den "Abriß" ausführlich darstellte. Es beruhte ebenfalls auf dem Material ("Masse") der Artefakte, maß dieser aber keine chronologische Bedeutung zu. Büsching korrespondierte auch mit Goethe.

Publikationen

1820 gibt Büsching eine "Korrespondenz der Schlesischen Gesellschaft" heraus, es erscheint aber nur der erste Band, und das erste Heft des 2. Bandes. Nachrichten über Altertümer nehmen hier einen breiten Platz ein.

Monographien:

Artikel

Abschriften und Editionen

Albrecht von Scharffenberg, Titurel. Abschrift des Druckes von 1477 [Straßburg: Johann Mentelin] von Johann Gustav Gottlieb Büsching. 398 Seiten, gebunden in Halblederband mit Rückenaufdruck: Titel, Abschreiber. S. 397: Beschreibung des Originals von Büsching, Breslau (?) 20. Juni 1806. Universitätsbibliothek
Halle, Yg 2° 31.

1811 fand Büsching in der Bibliothek der Grafen Hochberg zu Fürstenstein und in der Bücherei der St.Bernhardinkirche in Breslau Original und Abschrift des dreibändigen "Memorialbuches" des schlesischen Adeligen Hans von Schweinichen (1552-1616), das er zwischen 1820 und 1830 herausgab.

Der Verein für Schlesische Geschichte, Kunst und Altertümer

1818 gründete Büsching den "Verein für Schlesische Geschichte, Kunst und Altertümer", der bald die erstaunliche Zahl von 600 Mitglieder hatte, und gab die "Blätter für die gesamte schlesische Altertumskunde heraus", die aber 1822 eingingen. Die Gesellschaft, deren Jahresbeitrag 1 Thlr betrug, finanziert unter anderem die Druck- und Reprokosten von Kruses "Budorgis". Von dem Verein finden sich nach Büschings Tod keine Aktivitätsbelege mehr.

Privatleben

Büsching heiratete 1812, der Ehe entsprossen fünf Kinder. Nachdem Büsching in einer Prämienverlosung 20.000 Thaler gewonnen hatte, begann er, gefährdete Denkmäler aufzukaufen und restaurieren lassen. 1823 kaufte er die Kynsburg als Feriensitz, die nach der Renovierung auch Besuchern zugänglich war. Ab 1825 macht sich bei Büsching ein Leberleiden bemerkbar und er schränkt seine Aktivitäten mehr und mehr ein. Er stirbt 1829 an "Wassersucht".

www.ifg.uni.wroc.pl/historia/anfaenge_DE.html

Der Ursprungsartikel stammt von der deutschsprachigen Wiki pedia (siehe oben: "Original Artikel & Autoren Liste").
Der Text steht unter der GNU Freie Dokumentation Lizenz.



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