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Johann (England)

Johann Ohneland, engl. John Lackland, eigentlich franz. Jean Plantagenet (da die Normannen französisch sprachen), genannt Jean Sans-Terre (* 24. Dezember 1167, Beaumont Castle, Oxford; † 19. Oktober 1216 Newark Castle, Nottinghamshire) war von 1199 bis 1216 König von England. Er war der jüngste Bruder von König Richard I. Löwenherz Richard Plantagenet.

Johann wird als fünfter Sohn von König Heinrich II. Kurzmantel (Henri Plantagenet) und Herzogin Eleonore von Aquitanien (Aliénor d'Aquitaine) in Oxford geboren.

John war zweimal verheiratet:

In erster Ehe am 29. August 1189 mit Isabella de Clare, Countess of Gloucester (* 1170; † 1217). Die Ehe wurde geschieden.

In zweiter Ehe am 24. Juni 1200 mit Isabelle d'Angoulême (*1189; † 31. Mai 1246). Aus der Verbindung stammen fünf Kinder:

Inhalt
1 Lebensgeschichte
1.1 Aufstand und Regentschaft
1.2 Johann als König

Lebensgeschichte

Aufstand und Regentschaft

Seinen Beinahmen "Ohneland" erhielt Johann, weil sein Vater Heinrich II. ihm bei der Aufteilung des Erbes in den 1160er Jahren lediglich kleinere Randgebiete des
Angevinischen Königreichs zusprach: die Grafschaft Mortain und die erst kurz zuvor eroberten und noch nicht vollkommenen befriedeten östlichen Gebiete Irlands sowie durch Heirat Savoyen.

Als Heinrich II. sich weigerte, Johann und seine Brüder vor seinem Tod in den ihnen jeweils zugesprochenen Territorien an der Herrschaft zu beteiligen, gingen sie erstmals 1172 gemeinsam mit ihrer Mutter Eleonore zum offenen Aufstand über, der allerdings bald scheiterte. Nachdem die Söhne kurzfristig wieder in die Gnade des Vaters aufgenommen worden waren, befanden sie sich bald wieder in Rebellion, während der Heinrich der Jüngere, der vorgesehene Thronfolger für England und die Normandie, sowie Gottfried, Herzog der Bretagne und zweiter in der Erbfolge, starben. Johanns älterer Bruder Richard Löwenherz stellte sich nun an die Spitze der Revolte, die von Johann mitgetragen wurde, und konnte den gemeinsamen Vater 1189 zum Abdanken zwingen.

Als soeben ernannter König begab Richard sich sofort an die Spitze des Dritten Kreuzzugs (1189-1192). Johann ernannte er zu seinem Stellvertreter in England. Auf dem Weg ins Heilige Land hatte sich Richard mit König Philipp II. August von Frankreich, dem zweiten Führer des Kreuzzugs und Verbündeten während der Verschwörung gegen Heinrich II., zerstritten. Der französische König kehrte zurück und schloss einen Pakt mit Johann Ohneland: Philipp erhielt Territorien des Angevinischen Reiches in Frankreich, Johann wurde die Verwaltungshoheit über die übrigen Festlandsgebiete zugesprochen. Richard hatte sie seinem Schwiegervater Sancho IV von Navarra und seiner Mutter Eleonore anvertraut. Diese beiden begannen sofort, sich gegen die Usurpation durch Johann und die Annexion durch den französischen König zu wehren. Auch Richard Löwenherz kehrte 1192 aus dem Heiligen Land zurück, wurde aber von Herzog Leopold V von Österreich gefangen genommen. Bis zu seiner Freilassung gegen ein hohes Lösegeld im Jahr 1194 kämpfte Johann gegen die übrigen Statthalter Richards sowie gegen die zu Richard loyalen Vasallen. Bei seiner Rückkehr im April 1194 nahm Richard Löwenherz seinen Bruder sofort wieder in seine Gnade auf und begann mit einer Militärkampagne gegen den französischen König, die zur Rückeroberung eines Großteils der verlorenen Gebiete führte.

Johann als König

Als Richard 1199 starb, wurde Johann Ohneland zum König gekrönt. Angesichts weitreichender Adelsaufstände war Johann gezwungen, mit Philipp II. August, dem gefährlichsten äußeren Feind, am 22. Mai 1200 den für die Angeviner nachteiligen Frieden von Goulet schließen: Philipp erhielt Territorien um Evreux, Teile des Vexin und Nieder-Berry, also in etwa die Territorien, die Richard erst kurz zuvor wieder zurückerobert hatte.

Durch seine Heirat mit Isabella, die Erbin von Angouleme und Cousine Philipps II., am 24. August 1200 wollte Johann seine Herrschaft auf dem Kontinent stabilisieren und vor allem im Poitou seinen Einfluss vergrößern. Isabella war allerdings bereits an Hugo IX. von Lusignan, den Grafen der Marche, versprochen und Johann konnte die Ehe mit der Neunjährigen zunächst nicht vollziehen. Die Ehe blockierte zugleich den dynastischen Zugriff der Karpetinger, der französischen Königshauses, und Hugos auf den Poitou. Auf Hugos Betreiben wurde nun Philipp II. erneut aktiv und beschlagnahmte am 28. April 1202 sämtliche kontinentalen Besitzungen des englischen Königs. Darüber hinaus unterstützte er Johanns Neffen, Arthur von der Bretagne, der an Philipps Hof aufgewachsen war. Arthur griff zunächst erfolgreich in Anjou an. Johann konnte ihn aber in Poitou militärisch schlagen und im Juli 1202 in Mirebeau gefangen nehmen. Fast gleichzeitig flammten die Adelsaufstände aber wieder auf, so dass Johann die Verschnaufpause, die die Ausschaltung Arthurs geboten hatte, nicht nutzen konnte. Um so erfolgreicher ging daraufhin Philipp II. direkt gegen den englischen König vor. Bis 1204 nahm der französischen König die Touraine, Anjou und vor allem die Normandie ein, das Stammland des englischen Königshauses. Auch im Süden setzte sich der Zerfall des Angevinischen Reiches fort. Nach dem Tod Eleonores am 1. April 1204 zerbrach die Bindung Aquitaniens an den englischen Thron sofort. Adel und Städte schlossen sich dem französischen König an. Diese Entwicklungen bildeten den entscheidenden Schritt zur Stabilisierung Frankreichs als geschlossenes Staatsgebilde. Alfons VIII. von Kastilien besetzte die Gascogne, die er als Mitgift seiner Frau, einer Schwester Johanns, ansah. Zumindest Aquitanien konnte Johann Ohneland wieder in seinen Herrschaftsbereich einfügen. Savary de Mauleon, Marschall von Poitou, und Elias von Malmort, Erzbischof von Bordeaux, konnten durch Verhandlungen einen Teil der regionalen Machtträger dazu bewegen, sich wieder Johann anzuschließen. Im Sommer 1206 zog Johann mit einem großen Heer auf den Kontinent, was Philipp II. dazu bewegte, ihm in einem Vertrag die Herrschaft über Aquitanien zu garantieren.

Die folgenden Jahre waren von Konflikten mit Vasallen in England geprägt. Weitaus wichtiger war allerdings der Streit mit Stephan Langton, dem Erzbischof von Canterbury. Er hatte 1208 ein Interdikt für England und 1209 die Exkommunikation Johanns zur Folge. Diese kirchenrechtlichen Schritte schwächten den König weiter, zudem drohte eine Invasion Philipps II. Im Februar 1214 setzte dann aber Johann, nachdem er sich kurz zuvor mit Papst Innozenz III versöhnt hatte, mit einer Armee auf den Kontinent über. Zunächst waren damit sowohl die Angriffspläne des französischen Königs durchkreuzt als auch der englische Adel angesichts der Kampfsituation vorerst ruhig gestellt. Am 2. Juli erlitt Johann jedoch eine Niederlage bei La Roche-aux-Moines, die allein deshalb nicht zur Katastrophe wurde, weil Philipp dem englischen König einen Waffenstillstand von fünf Jahren gewährte. Angesichts des Misserfolgs war allerdings in England ein offener Adelsaufstand ausgebrochen, den Johann zu besänftigen suchte, indem er am 19. Juni 1215 die Magna Carta unterzeichnete. Davon ließen sich die Aufständigen jedoch nicht wirklich befrieden. Sie riefen sogar den französischen Thronfolger Ludwig VIII zur Hilfe, der nun tatsächlich in Kent landete, den Osten Englands unter seine Kontrolle brachte und am 2. Juni 1216 in London einzog.

In dieser Krisensituation starb Johann Ohneland am 19. Oktober. Angeblich fiel er in einer Abtei in East Anglia tot um, nachdem er eine große Menge Pfirsische und Apfelwein zu sich genommen hatte. Sein Tod führte allerdings zu einer Mobilisierung von Adel und Bevölkerung zu Gunsten seines Sohns Heinrich III, der die Karpetinger wieder von der Insel vertreiben konnte.

Unter Johann beschleunigte sich der Zerfall des weit gespannten Angevinischen Reiches, der bereits unter Richard Löwenherz eingesetzte hatte, entscheidend. Das englische Königtum geriet in eine seiner tiefsten Krisen. Gleichzeitig ermöglichte diese Schwäche die Konsolidierung des französischen Reiches und die Ausbildung der Grundlage für die spezifischen englischen Verfassungsstrukturen in der Magna Carta.

Vorgänger:
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Liste der Herrscher Englands Nachfolger:
Heinrich III


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