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Leben
Joachim von Fiore wird um 1130 als Sohn eines Notars in Celico (Kalabrien) geboren. Er starb vermutlich im Jahre 1202 (weniger wahrscheinlich 1205) in San Giovanni in Fiore im Silagebirge.
Anfangs arbeitete er auf Bestreben seiner Eltern in der Kanzlei am Königshof von Wilhelm I in Palermo. Diese verließ er aber bald, um sich einem tiefen religiösen Leben zuzuwenden. So unternahm er eine Pilgerfahrt ins Heilige Land und besuchte Jerusalem. Nach Streitereien mit seinem Vater über seinen weiteren beruflichen Werdegang ging Joachim von Fiore zuerst nach Guarassanum, dann nach Sambucina. In Rende wurde er vom Erzbischof von Catanzaro zum Priester geweiht. Erst jetzt schloss er sich einer christlichen Gemeinschaft an; er ließ sich im Kloster Corazzo nieder. Nachdem er Prior geworden war, zog er sich in das Kloster SS. Trinità in Acri nach Sambucina zurück und erst auf Grund der Bitten kirchlicher Würdenträger kehrte er als Abt nach Corazzo zurück. Er leitete das Kloster von 1171 bis 1177 und führte dort die Zisterzienserregel ein. 1183/84 hielt er sich in Casamari auf und begann u.a. das Psalterium decem chordarum, dass er 1187/88 in Petralate (Kalabrien) beendete. Von Papst Klemens III erhielt er 1188 die Erlaubnis sich seinen hermeneutischem Schrifttum zu widmen.Zu diesem Zweck zog er sich in das Silagebirge zurück. Das Zisterziensergeneralkapitel rief ihn aber 1192 nach Corazzo zurück. Stattdessen gründete er jedoch ein neues Kloster, S. Giovanni in Fiore, dem er auch als Abt vorstand. An einem Pfingsttag zwischen 1190 und 1195 empfing er während der Meditation über der Johannesapokalypse seine entscheidende Erleuchtung. In die Zeit um 1190 fällt auch seine Gründung des Florenser-Ordens.
Auf dem 4. Laterankonzil von 1215 wurde Joachim von Fiores These verurteilt, in der er Petrus Lombardus anklagt, er habe eine Quaternitas eingeführt; soll heißen zu Vater, Sohn und Heiliger Geist noch die Trinität als vierte kollektive Einheit. 1254 wurden einige seiner Lehren überprüft, aber er wurde von der Kirche nie als Häretiker angesehen, auch wenn posthum gefälschte Bibelkommentare sein Ansehen schädigen sollten. Seine Lehren verbreiteten sich sehr rasch. Neben dem Joachimismus gewann vor allem der so genannte Pseudojoachimismus großen Einfluss.
Wirken
Bedeutend ist Joachim von Fiore vor allem wegen seines Geschichtsbildes und seiner exegetischen Methode, bei der er der allegorischen Schriftauslegung der typologisch-historischen vorzieht. Den historischen Ablauf des Alten und des Neuen Testaments deutet er in einem heilsgeschichtlichen Sinn. Die Geschichte wird in drei Perioden gegliedert, welche er mit der Trinität in Verbindng bringt: Die Zeit des Vaters (Altes Testament), des Sohnes (beginnt mit dem Neuen Testament und endet nach seiner Vorhersage 1260) und die des Heiligen Geistes. Dieses dritte, glückliche Zeitalter wird von der intelligentia spiritualis erleuchtet sein und alle Freuden des Himmlischen Jerusalem bieten. Das letzte, das Dritte Zeitalter, steht im Zentrum des joachimitischen Geschichtbildes. (Dieses Zeitalter wird auch Drittes Reich genannt. Die Nazis übernahmen später aber nur den Begriff, um den neuen Charakter ihres Staates zu unterstreichen, aber keinesfalls den Inhalt im Sinne Joachims.) Dem Dritten Zeitalter geht die Ankunft des Antichrist voraus, welcher dann von einer kirchlichen Persönlichkeit besiegt wird. So identifizierten einige joachimitische Franziskaner den Heiligen Franziskus aufgrund seiner Stigmata als Alter-Christus. Seine Lehre wird auch mit dem Begriff der Drei-Zeiten-Lehre bezeichnet.
Seine Ideen fanden im späten 13 und 14. Jahrhundert großen Anklang und verbreiteten sich schnell. So beeinflussten sie auch Dante Alighieri, vermutlich über die spirituale Strömung der Franziskaner, der dann auch Joachim von Fiore in seine Göttliche Komödie aufnahm. So wie er auf die spiritualen Franziskaner wirkte, so kann man auch seinen Einfluss bei den Täufern der Reformationszeit, z. B. bei Thomas Müntzer und schließlich auch bei Gotthold_Ephraim_Lessings "Erziehung des Menschengeschlechts" sowie bei Georg W. F. Hegel, Auguste Comte, Karl Marx und in Ernst Blochs "Prinzip Hoffnung" erkennen.
Die Hauptwerke Joachims von Fiore sind Concordia novi et veteris Testamenti, Expositio in Apocalypsim, Psalterium decem chordarum, Tractatus super quatuor Evangelia, De articulis Fidei, Adversus Iudeos und die unvollendete Vita S. Benedicti.
www.newadvent.org/cathen/08406c.htm
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