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Der Begriff Holocaust (auch Holokaust, von griech ολοκαυτειν "ein Brandopfer darbringen", wörtlich "vollständig verbrennen") bezeichnet im engeren Sinne den während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland und in den von ihm besetzten Ländern verübten Genozid an den europäischen Juden. Im weiteren Sinn zählt dazu auch die systematische Ermordung von Angehörigen anderer gesellschaftlicher, religiöser, ethnischer oder eugenischer Gruppen etwa der Behinderten, Sinti und Roma, der polnischen Intellektuellen, der Zeugen Jehovas oder der Homosexuellen. Seit einigen Jahren wird der Begriff Holocaust zunehmend auch auf andere Formen von Massen- oder Völkermord angewendet.
Der nationalsozialistische Holocaust unterscheidet sich wegen seiner Systematik wesentlich von der Verfolgung der politischen Gegner des Hitler-Regimes: Während diese nicht zwangsläufig ermordet wurden, waren alle Menschen, vom Kleinkind bis zum Greis, die zu einer der oben genannten Gruppen gehörten, schon aufgrund ihrer bloßen Existenz zur Ermordung vorgesehen. Nichts, was sie selbst hätten tun oder unterlassen können - nur Glück oder Zufall - konnte ihr Leben retten, wenn sie in die Hände des nazistischen Machtapparats gerieten.
Geschichte des Holocaust
Historisch ist mit Holocaust in erster Linie die Entrechtung, Verfolgung, Ghettoisierung und systematische Ausrottung von mehr als sechs Millionen europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland gemeint. Zum Gesamtkomplex des Holocaust wird aber allgemein auch die Vernichtung anderer Menschengruppen gerechnet, die von den Nazis als "unerwünscht", "lebensunwert" oder "rassisch minderwertig" bezeichnet wurden. Neben den Juden wurden so auch bis zu einer halben Million Sinti und Roma und mindestens 250.000 geistig oder körperlich Behinderte (siehe auch Euthanasie-Programm) ermordet.
Entrechtung und Verfolgung der Juden
Bereits 1933 wurde in Dachau bei München das erste der Konzentrationslager eingerichtet, die bis 1938 vorrangig der Inhaftierung und der Liquidierung politscher Gegner dienten.
Von Beginn an betrieb das nationalsozialitische Regime unter Hitler die systematische Entrechtung der Juden. Dies begann mit der Verdrängung aller Juden aus dem öffentlichen Dienst, dem Boykott jüdischer Geschäfte im April 1933 und der erzwungenen "Arisierung" so genannter jüdischer Unternehmen, setzte sich 1935 fort mit den diskriminierenden Nürnberger Rassegesetzen, welche die deutschen Juden ihrer staatsbürgerlichen Rechte beraubten, und erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt in den Pogromen der Reichskristallnacht vom 9 auf den 10. November 1938.
Übergang zum systematischen Völkermord
Bis zum Kriegsbeginn 1939 verfolgte diese Politik das Ziel, möglichst viele Juden zur Auswanderung aus Deutschland zu drängen. Mit dem Krieg, der Millionen von Juden, insbesondere in den besetzten Gebieten Polens und der Sowjetunion, in die Reichweite der nationalsozialistischen Herrschaft brachte, änderte sich diese Politik. Von nun an wurde die systematische, fabrikmäßige Ermordung aller Juden geplant und betrieben, derer das Hitler-Regime habhaft werden konnte.
In den größeren polnischen Städten wie Warschau oder Lodz wurde die jüdische Bevölkerung gezwungen, in hermetisch abgeriegelte Ghettos überzusiedeln, wo sie durch Hunger, Kälte und willkürliche Morde immer weiter dezimiert wurde. Im Russlandfeldzug ab Sommer 1941 folgten den Truppen der Wehrmacht die so genannten Einsatzgruppen der SS, die Massenerschießungen an jüdischen Zivilisten vornahm, z.B. in Babi Jar bei Kiew. An solchen Aktionen waren vereinzelt aber auch reguläre Wehrmachts- oder Polizeieinheiten beteiligt.
Die Vernichtungslager
Erschießungen galten aber bald als "ineffektiv" für die geplanten Morde im großen Stil. Seit Herbst 1941 erprobten die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD Massentötungen mit Hilfe von mobilen Vergasungswagen, wie sie schon im so genannten Euthanasieprogramm zur Ermordung Geisteskranker eingesetzt worden waren. Schließlich wurden fabrikmäßige Vernichtungslager errichtet, deren einziger Zweck die möglichst schnelle Tötung einer möglichst großen Zahl von Juden war. Solche Vernichtungslager wurden angelegt in:
Zusätzlich wurden in den Lagern Menschenversuche zu militärischen, medizinischen und anderen Zwecken vorgenommen. Die Opfer wurden z.B. in Druckkammern extrem hohem oder niedrigem Luftdruck ausgesetzt, in Eiswasser unterkühlt, mit Bakterien infiziert, für chirurgische Versuche u.v.m. missbraucht. Die Täter, wie etwa der SS-Arzt Josef Mengele, nahmen den Tod oder lebenslange Gesundheitsschäden der Versuchspersonen willentlich in Kauf.
Wannseekonferenz und Opferzahlen
Am 20. Januar 1942 fand unter der Leitung des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, Reinhard Heydrich, die Wannseekonferenz bei Berlin statt. Auf ihr besprachen hochrangige Ministerialbeamte der Reichsregierung die so genannte "Endlösung der Judenfrage", das heißt die Deportation und Ermordung aller europäischen Juden. Aus erhaltenen Akten der Konferenz lässt sich ersehen, dass 11 Millionen Menschen zur Vernichtung vorgesehen waren.
Im größten Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wurden schätzungsweise 1.100.000 - 1.500.000 Menschen ermordet. Etwa eine Million davon waren Juden. In der seriösen historischen Forschung gilt es heute als gesichert, dass während des Zweiten Weltkriegs mindestens 5,29, höchstens knapp über 6 Millionen Juden in Konzentrations- und Vernichtungslagern, sowie bei Massenexekutionen zu Tode kamen. Absolut exakte Zahlen konnten nie ermittelt werden, da viele Deportierte gleich nach ihrer Ankunft - also ohne einzeln registriert worden zu sein - in die Gaskammern geschickt wurden. Für Hitler-Deutschland und alle von ihm besetzten Länder, nennt das Werk "Dimension des Völkermords" (s.u.) folgende Minimalzahlen:
Gegenüber der restlichen Bevölkerung wurden die Deportationen der Juden aus dem Reich offiziell als "Umsiedlungen" bezeichnet. Dies haben die meisten Deutschen geglaubt und hingenommen, obwohl solche Massendeportationen allein schon ein schweres Unrecht darstellten. Nur gerüchteweise - etwa von Soldaten auf Heimaturlaub - erfuhren manche Deutschen von dem Menschheitsverbrechen, das im Osten in ihrem Namen begangen wurde. Der Widerstandskämpfer Helmut James Graf von Moltke schrieb 1943: "Mindestens neun Zehntel der Bevölkerung weiß nicht, dass wir Hunderttausende von Juden umgebracht haben." Doch selbst das Zehntel, das zumindest ansatzweise Bescheid wusste, hat - von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen - nichts gegen den Holocaust unternommen.
Erst nach Kriegsende erfuhr die Mehrheit der deutschen Bevölkerung das ganze Ausmaß der Nazi-Gräuel. Viele wollten sie - wegen der Ungeheurlichkeit der Verbrechen - auch dann nicht wahrhaben, obwohl sie nur eine logische Folge dessen waren, was sich bis in die ersten Kriegsjahre hinein vor aller Augen in Deutschland abgespielt hatte.
Niemandem hatte verborgen bleiben können, dass die Juden nach und nach aus dem gesellschaftlichen Leben verschwanden. Anti-Jüdische Maßnahmen wie der Boykott von 1933 und die reichsweiten Pogrome vom 9. November 1938 fanden auf offener Straße statt. Jeder wusste zudem über Diskriminierungen wie die Nürnberger Rassegesetze bescheid, über die Berufsverbote und zahllosen Einschränkungen, denen die Juden unterworfen waren, über den Judenstern, die Ghettoisierung und vieles mehr. Nicht zuletzt kannte jeder Zeitungsleser und Radiohörer die mehrfach wiederholte Drohung Hitlers vom 30. Januar 1939, nach der ein neuer Weltkrieg " die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa" bedeute.
Viel Nicht-Wissen war im Grunde ein Nicht-Wissen-Wollen, eine Verdrängung aus Angst oder Gleichgültigkeit. Zu Beginn der institutionalisierten Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung profitierten zudem viele Deutsche im Zuge von Arisierungen direkt vom Leid ihrer jüdischen Nachbarn. Gegen Kriegsende ließ der Überlebenskampf in den zerbombten Städten kaum einen Gedanken an das noch größere Leid anderer Menschen aufkommen. In den zerstörten Städten ging immer wieder das Gerücht um, der Luftkrieg sei die Vergeltung für das, was man den Juden angetan habe. Dies wird zuweilen als Zeichen eines untergründigen Unrechtsbewusstseins interpretiert, war aber allzu oft auch Ausdruck einer zutiefst antisemitischen Haltung, nach der "die Juden an allem Schuld" waren oder "Amerika kontrollieren". Angesichts der Mittäterschaft oder der Gleichgültigkeit der Mehrheit sind die seltenen Taten jener Nicht-Juden um so höher zu bewerten, die Juden halfen, zu überleben. So wurden beispielsweise der TV-Moderator Hans Rosenthal oder der Schauspieler Michael Degen von nicht-jüdischen Deutschen vor den Nazis versteckt.
Heute erinnern an den Holocaust zahlreiche Mahnmale und Museen in der ganzen Welt. Die bedeutendste Gedenkstätte ist Yad Vashem in Jerusalem. Sie umfasst verschiedene Bereiche, u.a. ein Museum, ein Dokumentationszentrum, ein Archiv, eine Bibliothek sowie Denkmäler und Skulpturen.
Weitere Opfer der Nationalsozialisten
Ebenfalls zum Vernichtungsprogramm der Nazis gehörte die Ermordung von drei Millionen russischer Kriegsgefangener.
Dazu starben mehr als zwei Millionen Osteuropäer bei der ihnen auferlegten Zwangsarbeit. Über die Vernichtung der europäischen Juden hinaus hatten die Nazis im Generalplan Ost ein weitreichendes Programm zur Vernichtung und Umsiedlung ausgearbeitet. Nach diesem Plan sollten weitere als "rassisch minderwertig" bezeichnete, vor allem slawische Völker allmählich durch Verbannung nach Sibirien ausgerottet werden.
Auch politisch Missliebige, wie z.B Kommunisten, Sozialisten, Gewerkschaftler, Zeugen Jehovas, nicht gleichgeschaltete Christen, Mitglieder der bündischen Jugend oder Homosexuelle wurden in den Konzentrationslagern umgebracht.
Zur Motivation und Psychologie der Täter
Angesichts der genannten Opferzahlen ist es bis heute schwer zu verstehen, warum sich eine große Zahl von Menschen an der Planung und Durchführung sowie am Verschweigen des Holocaust beteiligen konnte. Die historische Forschung ist zu folgenden Ergebnissen gekommen, die hier kurz dargestellt werden sollen:
In den Zeugenaussagen des Holocaust-Planers Adolf Eichmann im Prozess gegen ihn in Israel ist dieses Zusammenwirken von Effizienz und Gefühlskälte dokumentiert.
Die Tatsache, dass "ganz normale Menschen" derart menschenverachtende Taten begehen konnten, hat Fragen zur Beeinflussbarkeit des Menschen an sich aufgeworfen. Konzepte wie die systematische Ausgrenzung der Opfer aus dem Kreise der eigenen Gruppe zeigen die mögliche Manipulierbarkeit des Einzelnen. Psychologische Experimente, in denen menschliches Verhaltens unter Gruppenzwang oder Autoritätsgehorsam untersucht wurden (Milgram-Experiment, Gefängnisexperiment von Phillip Zimbardo), sind in diesem Zusammenhang aufschlussreich.
Die Begriffe Holocaust und Shoa
Das Wort Holocaust leitet sich vom griechischen holókauton her und bedeutet "vollständiges Brandopfer". Es findet mehrfach Erwähnung in der Bibel, etwa im Buch Genesis (22, 2): "Gott sprach zu Abraham: 'Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du liebhast, und geh hin in das Land Morija und bringe ihn dort als Brandopfer (holókauton) dar auf einem Berge, den ich dir sagen werde."
Zunächst wurde mit Holocaust nur im englischen Sprachraum der Genozid an den Juden bezeichnet. Nach der Ausstrahlung der amerikanischen Fernsehserie "Holocaust" im Jahr 1979 kam der Begriff auch in Deutschland in Gebrauch. Eine von den nationalsozialistischen Völkermorden losgelöste Begriffsverwendung ist im Deutschen semantisch und sprachethisch umstritten.
Da das Wort Holocaust nach Ansicht vieler Juden zu sehr die Opferrolle der Ermordeten betont, wird seit einigen Jahren zunehmend auch der hebräische Begriff Shoah (השואה) verwendet, der soviel bedeutet wie "großes Unheil" oder "Katastrophe". Er bürgerte sich aufgrund des gleichnamigen, neunstündigen Dokumentarfilms von Claude Lanzmann von 1985 ein, der als "narrative Chronik des Holocaust" bezeichnet wird.
Holocaust-Leugnung
Alt- und Neonazistische Revisionisten versuchen immer wieder die Tatsache des Holocaust in Zweifel zu ziehen oder ihn ganz zu leugnen, indem sie von einer Verschwörung der Siegermächte gegen Deutschland und der so genannten "Auschwitzlüge" reden.
Siehe dazu: Holocaustleugnung
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