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Der Ausdruck Biedermeier bezieht sich zum einen auf die Wohnkultur und Kunst des Bürgertums, zum anderen auf die Literatur der Zeit, die beide häufig zu Unrecht als »hausbacken« und »konservativ« galten. Als typisch galt die Flucht ins Idyll und die Begrenzung. Schon der Dichter Jean Paul hatte eine vom »Vollglück in der Beschränkung«, Goethes Sekretär Johann Peter Eckermann »eine reine Wirklichkeit im Lichte milder Verklärung« zu erkennen.
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Überblick
Der Begriff »Biedermeier(zeit)« selbst entstand erst nach 1848/49 und leitet sich von dem Pseudonym Gottlieb Biedermaier her, unter dem ab 1855 der Landarzt Adolf Kussmaul und der Jurist Ludwig Eichenrodt abwechselnd Verse des Landschullehrers Samuel Friedrich Sauters und eigene Produkte in den Fliegenden Blättern in München herausbrachten. In diesen Veröffentlichungen wurde die Geisteshaltung des später so genannten Zeitspanne jedoch bereits parodistisch entfremdet dargestellt: Der Mensch des Biedermeier wird als entpolitisierter, von naiv-obrigkeitstreuen Bestrebungen und Harmoniesüchteleien getriebener Kleinbürger karrikiert. Diese und ähnliche Konnotationen haften dem Ausdruck »Biedermeier« bis heute an - so wie bsplw. Franz Grillparzers »Der Traum ein Leben« heute kaum ohne ironischen Seitenblick gelesen werden kann.
Die Natur war den Dichtern des Biedermeiers nicht mehr Projektionsfläche sehnsüchtigen Welt- und Ichschmerzes, sondern Gut und Schöpfung. Aufkommende Forschungsreisen dienten der Würdigung aller einzelnen Elemente dieser Natur, von denen viele auch gern gesammelt, katalogisiert und zuhause dann ausgestellt wurden. Und auch wenn gerade diese Wertschätzung dann auf den christlichen Gott als Schöpfer hinwies, so verschloss die Religiosität nicht, sondern förderte geradezu die zaghaften empirischen Interessen. Die Kritik an der wahrgenommenen Entfremdung schaffte aber auch einen Elitarismus, der sich gegen Leichtigkeit und Zügellosigkeit abgrenzte.
Im Häuslichen fanden sich nun Lese- und Liederabende, wie überhaupt das Lied eine hohe Bedeutung hatte. Die Lieder Müllers standen in großem Ansehen und die Versdichtung gelangten erst zu einem solchen, wenn die Singbarkeit gegeben war. Im Persönlichen wurde aber gern auf zu viel Schmuck und Ornament verzichtet und die Schlichtheit gelobt. Erst hier, im Bereich des Zwischenmenschlichen, zeigten sich dann auch die konservativen Züge in aller Deutlichkeit. Hier wirkte die Vorstellung von einem einfachen und sittlichen Leben in der hohen Gewichtung alter christlicher Tugendbegriffe - Treue, Redlichkeit, Elternliebe usw. -, wirkte sodann in die Rollenvorstellungen vom ver- und vorsorgenden und die Normen der Familie prägenden Vater und der der häuslichen, gefühligen und die Familie beisammen haltenden Mutter (was bis T.Parsons wirkt). Stifter formuliert dies als »Sanftes Gesetz«:
Den Abschluss der Zeit sieht man im allgemeinen in Stifters Werk. Sein erster Roman Nachsommer (der von ihm selber »Erzählung« genannt wurde) erschien zwar erst 1857, galt aber dennoch als vorzüglichstes Werk der Biedermeierzeit. Stifter wirkte sowohl auf Rosegger und Ganghofer, auf Heyse, Freytag und Wildenbruch, wie auch direkt in den folgenden Bürgerlicher Realismus hinein, auf Storm und Fontane und über diese auf Thomas Mann und Hesse.
Stifters Werk, das immer wieder für Kontroversen sorgte, zeigt aber auch selbst schon über den Biedermeier hinausreichende Elemente - so findet sich bspw. in der Novelle Brigitta neben Sophokleisch-Fatalistischem auch frauenrechtlich Emanzipatorisches.
Weitere dem Biedermeier mehr oder weniger zuzurechnende Autoren sind Annette von Droste-Hülshoff, Franz Grillparzer, Wilhelm Hauff, Karl Leberecht Immermann, Nikolaus Lenau, Eduard Mörike, Johann Nepomuk Nestroy, Ferdinand Raimund, Friedrich Rückert und Leopold Schefer. Zudem die Komponisten Johann Christian Heinrich Rinck, Franz Schubert und Ludwig Berger und die bildenden Künstler Carl Spitzweg, Ludwig Richter und Ferdinand Georg Waldmüller u.a.
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